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Sankt Marien Freudenberg
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Geschichte

Kirche und Glaube im Siegerland

Um die verhältnismäßig kurze Zeitdauer des Bestehens der katholischen Gemeinde verständlich zu machen, ist es nötig, einen Blick in die geschichtliche Vergangenheit des Siegerlandes zu werfen, denn Heimat und Glaube sind eingebettet in den weltlichen Verlauf der Historie. Erst das Wissen um die Entwicklung der christlichen Verkündigung in unserem Land, um dunkle Zeiten der Stadtgeschichte, Zeiten der Not, des Krieges, der Glaubensspaltung und des konfessionellen Streites lässt uns erkennen, warum die katholische Kirchengemeinde Freudenberg heute "nur" auf einen Zeitraum von gut 150 Jahren zurückblicken kann. Im 8. Jahrhundert brachte der heilige Bonifatius, der Apostel der Deutschen, den christlichen Glauben in unser Land (Infos dazu unter www.bonifatiuswerk.de). Papst Zacharias hatte ihm in einem Schreiben vom Jahre 747 die Stadt Mainz als Metropole bestätigt. Das Siegerland gehörte von nun an kirchlich unter den Hirtenstab des Erzbischofs von Mainz. Innerhalb dieser Diözese zählte unsere Heimat zu dem Archidiakonat des Propstes von St. Stephan in Mainz. Dieses umfasste drei Dekanate. Das Siegerland gehörte zum Dekanat Arfeld in Wittgenstein.

Mutterkirchen Siegen und Netphen

Seine ältesten Pfarreien sind Siegen und Netphen. Diese Mutterkirchen waren anfangs die einzigen Taufkirchen, wohin aus allen Teilen des Landes die Täuflinge gebracht wurden. Im Archidiakonat finden sich später Angaben über weitere Orte, die als Pfarreien aufgeführt sind: Krombach, Ferndorf, Oberfischbach, Holzklau. Schon 1079 wird Holzklau genannt. Das Stift Deuz hatte hier Besitzungen, einen Haupthof mit einer Kapelle, die später zur Pfarrei erhoben wurde. Ihre Pfarrer sind bereits ab 1329 namentlich bekannt. Die Kirche war den Heiligen Georg und Bartholomäus geweiht. Oberfischbach wird 1342 als "Overin Vispe" erwähnt. Die alte katholische Pfarrkirche, die bis 1792 stand, war dem Heiligen Johannes dem Täufer geweiht. Im selben Jahrhundert (1389) wird Freudenberg zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Der Graf von Nassau-Siegen besaß hier auf dem so genannten Schlossberg eine Burg. Sie lag an der Landesgrenze zu Wildenburg und war somit als Schutzburg gedacht. Wir kennen sie lediglich aus Beschreibungen. Sie bestand aus fünf Gebäuden, darunter auch eine Kapelle, die der hl. Katharina geweiht war. Innerhalb des „Burgberings“ hatten sich Handwerker angesiedelt. Sie durften die Gottesdienste in der Kapelle besuchen. Die damaligen Burgkapläne hießen "Rektor". An Sonn- und Feiertagen, auch innerhalb der Woche, mussten sie mindestens drei heilige Messen lesen und dabei des Grafen in ihren Gebeten gedenken. Zu Taufen, Eheschließungen sowie Begräbnissen gingen aber alle Bewohner der kleinen Stadt und der umliegenden Höfe nach Oberholzklau.

Glaubensstreit und der 1. große Brand

Von der Zeit der ersten Erwähnung Freudenbergs an (1389) bis zum Jahre 1530 - das sind 141 Jahre - war Freudenberg katholisch, denn einen anderen Glauben gab es damals in unserem Lande nicht. Das Datum 1530 fällt in die Regierungszeit Wilhelms des Reichen, aus dem Hause Nassau-Siegen (1516 – 1559). Er führte die Reformation im Siegerland ein. Zu damaliger Zeit musste das Volk die Religion seines Fürsten übernehmen; wie der Fürst, so das Volk („cuius regio – eius religio“). In dieser Zeit des Umbruches, in der es zu Streit und Auseinandersetzungen wegen des Glaubens kam, traf die Freudenberger Bevölkerung das Unglück eines Großbrandes. Die kleine Stadt brannte 1540 vollständig nieder. Nach ihrem Wiederaufbau wurde die Schlosskapelle an anderer Stelle errichtet. Der Platz ist nicht genau bekannt. In dem Buch "500 Jahre Freudenberg" vermutet der Historiker, dass sie in der "Vincken auwen", das bedeutet "feuchtes Land", dem entspräche die heutige Poststraße, stand. Da die nun evangelisch gewordenen Freudenberger auch weiterhin nach Oberholzklau zu Taufen, Eheschließungen und Begräbnissen gehen mussten - die Kirche galt auch jetzt noch als ihre Pfarrkirche - bemühten sie sich um die Errichtung einer eigenen Pfarrei. Die Erlaubnis hierzu erhielten sie im Jahre 1585 durch den Grafen von Nassau-Siegen. Die Gläubigen der Stadt bauten nun von 1601 bis 1606 die erste evangelische Kirche an den vom Landesherrn, Johann dem Älteren, zugewiesenen Befestigungs- und Gefängnisturm. Die neue Kirche diente als Wehrkirche, mit Schießscharten und Eisengittern versehen. Von 1618 bis 1648 kam es im weiteren Verlauf dieses Jahrhunderts zum 30-jährigen Krieg - ein Religionskrieg. Katholische und evangelische Fürsten standen sich im Kampf gegenüber. Dabei zogen raubende, plündernde, mordende Soldaten beider Parteien durch das Land. Die Hälfte der deutschen Bevölkerung musste dabei sterben. Hier im Siegerland war einer der Söhne Johanns des Mittleren, nämlich Johann der Jüngere, inzwischen wieder katholisch geworden. Sein Vater hatte ihm als Erbland das Netpher-Land gegeben (das heutige Johannland). Seinem evangelischen Bruder, Johann-Moritz, gehörte das Freudenberger Land. In jenen Jahren stand es in Deutschland schlecht um den Protestantismus. Tilly und Wallenstein hatten die evangelischen Heere geschlagen und ganz Norddeutschland unterworfen. Da fiel es Johann dem Jüngeren nicht schwer, den Kaiser zu veranlassen, das Testament des Vaters für ungültig zu erklären und ihn zum alleinigen Herren des Siegerlandes zu machen. Nun begann unter den beiden Brüdern und Glaubens-Gegnern ein erbitterter Kampf um den Besitz der angestammten Länder, wobei es für die Bürger zu einem Hin und Her der Konfessionszugehörigkeiten kam. Sie hatten es aber schließlich Johann dem Jüngeren zu verdanken, dass der Heerführer Tilly einen Befehl zur Schonung des Siegerlandes an seine Soldaten ausgab. 1626 wurden alle reformierten Prediger aus Freudenberg vertrieben. Bis 1632 wirkten der Jesuitenpater Bilstein vom Siegener Jesuitengymnasium und Pastor Berhof in der Stadt. Um Ostern 1628 schrieben sie, dass fast alle Freudenberger Familien wieder katholisch geworden seien. Von 1632 bis 1636 folgte wieder ein refomierter Prediger. Darauf noch einmal ein katholischer Pfarrer bis 1645. Danach setzte sich Johann-Moritz durch, somit wurden die Freudenberger Bürger wieder evangelisch. Seit 1646 war dann zwei Jahrhunderte hindurch jede Spur einer katholischen Religionsausübung verschwunden. Der landesherrliche Wille gebot: "Es soll nymand eyn papistische und andere ceremonie anrichten, i m geheimb noch sonst betreiben bey straf." Durch Verordnung des Grafen wurde es auch allen Fremden schwer gemacht, nach Freudenberg zu ziehen.

Die Industrie blüht auf

Bei dem zweiten Großbrand innerhalb der Stadt im Jahr 1666 wurde auch das Innere der evangelischen Kirche zerstört, 1675 wird sie in der heutigen Gestalt neu hergestellt. Nach den verflossenen zwei Jahrhunderten, also Mitte des 19. Jahrhunderts, blühte Freudenbergs Industrie auf. Es entstanden Hammerwerke, Lohmühlen, Ölmühlen, Lederfabriken, Filzfabriken, Leimsiedereien, Färbereien. Inzwischen bestanden auch keine Zuzugsbestimmungen mehr für den hiesigen Raum, denn das Siegerland war preußisch geworden. Aus diesem Grunde zogen nun katholische Arbeiter aus den umliegenden Bereichen Friesenhagen, Wildenburg, Hünsborn, Wenden, Niederfischbach und aus dem Bergischen in den Amtsbezirk Freudenberg ein. Um 1850 zählte man im Amte Freudenberg etwa 200 Katholiken, die sich im Laufe der Zeit wieder angesiedelt hatten. Sie waren keiner Pfarrei zugeteilt und hielten sich an die nächstgelegenen Kirchen in Wenden, Römershagen, Friesenhagen und Niederfischbach. Wegen der weiten Entfernungen von diesen Kirchen machte sich bei den Katholiken des Amtes Freudenberg eine zunehmende Erkaltung im Glaubensleben bemerkbar. Der Klerus des Dekanats Siegen, der über diese Zustände besorgt war, machte im Jahre 1853 eine Eingabe an die bischöfliche Behörde in Paderborn, in der diese Zustände dargelegt und um Abhilfe gebeten wurde. Auch die Freudenberger Katholiken machten in den folgenden Jahren ähnliche Eingaben. Schließlich erkannte die Behörde die Notlage und erklärte sich am 29. April 1858 bereit, für die Unterhaltung eines Geistlichen jährlich 300 Taler zur Verfügung zu stellen, falls die Katholiken des Amtes Freudenberg für die Beschaffung der nötigen Räume sorgen würden. Mit Eifer ging man nun ans Werk, um ein Haus zu erwerben, das als Betsaal, Schule und Wohnung des Geistlichen dienen sollte. Die Wahl fiel auf ein Haus in der Gartenstraße. 5500 Taler kostete es. Die Hälfte der Summe übernahm der Bonifatius-Verein, für die restliche Summe lieh die Gemeinde 2000 Taler von einem Lohgerber Köster aus Olpe. Für 70 Taler, die der Bonifatius-Verein schenkte, wurden mit einfachsten Mitteln ein Betsaal und ein Schulraum eingerichtet. Im oberen Stockwerk sollte der Geistliche wohnen. Am 11. November des Jahres 1859 wurde durch die bischöfliche Behörde eine Seelsorgestelle in Freudenberg eingerichtet. Der Geistliche führte den Titel "Missionarius", die Gemeinde hieß Missionspfarrei. Sie umfasste das gesamte Gebiet des Amtes Freudenberg mit 22 politischen Gemeinden und den drei Kirchspielen Freudenberg, Oberfischbach und Oberholzklau. 1. Missionspfarrer Friedrich Wilhelm Schmidt
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