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12. Pfarrer Theodor Korte (1958 - 1980)

Der Bau des neuen Pfarrzentrums

Von 1958 bis 1980 führte Pfarrer Theodor Korte die Gemeinde. Er konnte gleich im ersten Jahre seiner Amtszeit (1959) das 100-jährige Bestehen der Pfarrgemeinde feiern. Erzbischof Lorenz Jäger war mit vielen Priestern der Nachbargemeinden zur kirchlichen Feier gekommen. Er zelebrierte die Pontifikalmesse und erteilte über 100 jungen Christen die hl. Firmung. Als er an diesem Tage den überfüllten Kirchenraum erlebte und über den baulichen Zustand des Gotteshauses informiert wurde, gab er den Freudenbergern den Rat, eine neue, größere Kirche zu bauen. Er wiederholte die Meinung auch während seiner Festansprache am Nachmittag in der Turnhalle, wo auch Vertreter der politischen Gemeinde anwesend waren. Pfarrer Korte stürzte sich von nun an in Planungen, Verhandlungen, Vorbereitungen zur Durchführung dieser großen Bauabsicht. Es wurden Grundstücke in der Nachbarschaft des Friedhofs erworben, die nicht nur zum Bau einer Kirche, sondern zur Aufnahme eines ganzen Pfarrzentrums gedacht waren. Zur Unterstützung und Hilfe für den Pfarrer in seiner weitläufigen Diasporagemeinde sandte die Diözesanstelle für Seelsorgehelferinnen am 1. Mai 1959 Schwester Erika Nerger. Sie verließ Freudenberg wieder am 1. April 1963. Noch in der alten Kirche erlebte Pastor Korte mit seiner Gemeinde zwei besonders erfreuliche Ereignisse: 1960 beging der Neupriester Rüdiger Busenhagen aus Hohenhain hier seine Primiz. Der Primiziant war mit seinen Eltern in die hiesige Gemeinde gezogen. 1969 aber feierte der erste "echte" Sohn der Pfarrfamilie, Bernhard Hombach aus Hohenhain, in der Freudenberger St.-Marien-Kirche seine Primiz. Die ganze Gemeinde freute sich und war stolz auf "ihren" Priester. Sie zeigte ihre Anteilnahme beim feierlichen Gottesdienst unter Mitwirkung des Chores und der anschließenden Begleitung des Jungpriesters auf dem Weg zum Gemeindehaus. Fahnenträger, eine Musikkapelle, Kommunionkinder, Klerus und Messdiener formierten sich zu einem festlichen Gefolge, das seinen Weg über die Bahnhof- und Gartenstraße nahm. Im Gemeindehaus klang dieser außergewöhnliche Freudentag im festlichen Rahmen aus. Im gleichen Jahr, vom 24. April - 11. Mai 1961, rief Pastor Korte Arnsteiner Patres in die Gemeinde. Sie führten eine Mission durch, die unter dem Motto stand: "Gott ist die Liebe - Bleibt in meiner Liebe". So neu motiviert, zeigten die Pfarrkinder ihr aktives Tun nicht nur in Gottesdiensten, sondern ebenso bei Gemeindefesten, z.B. Waldfesten, die ab 1962 zuerst in Hohenhain, später auf dem Trulich in Freudenberg und anschließend als "Fest rund um den Kirchturm" stattfanden. Pastor Korte übernahm in Freudenberg eine eifrige Messdienergruppe, die stets zur feierlichen Gestaltung der Liturgie bereit war. Von 1959 an - 38 Jahre lang bis 1979 - wurden die Ministranten von Herrn Norbert Buchen ausgebildet und geführt. Nach dem zweiten Vatikanischen Konzil, das am 11. Oktober 1962 begann, bekam Pastor Korte für seine seelsorgerische Tätigkeit einen Pfarrgemeinderat zur Seite gestellt. Dieses Gremium trug Mitverantwortung. Es sollte dem Pfarrer in brüderlicher Liebe hilfreich sein. Das Konzil sagte: "Wenn die Kirche missionarisch ist, muss sie in allen Bereichen präsent sein, das kann sie nur durch viele Laienkräfte". Von 1964 an hat der Caritas-Verband (www.caritas.de) seine sozialen Aufgaben in der Pfarrei wahrgenommen. Im Mittelpunkt der Arbeit der Pfarrcaritas-Konferenz steht die Sorge für die Menschen, die Hilfe brauchen. Einige Aufgabenbereiche sind verantwortlich in die Hand einzelner Konferenzmitglieder gegeben; z. B. Familienpflege, Krankenhausbesuchsdienst, Seniorenbetreuung, Vermittlung von Erholungsmaßnahmen etc. Da die Caritaskonferenz auch Geld für ihre Arbeit benötigte, erhob sie Mitgliedsbeiträge, Caritaskollekten und führt zwei große Sammlungen im Sommer und im Advent durch. In den früheren Jahren wurde dieser soziale Bereich vom Frauen- und Mütterverein getragen, der sich nun weiteren wichtigen Aufgaben im Leben der Gemeinde zuwenden konnte. Zu diesen Aufgaben zählt bis heute der Besuch junger Mütter nach der Taufe ihrer Kinder. Dabei werden entsprechende Schriftenreihen überreicht. Einkehrtage für Frauen sowie Bildungsangebote gehörten und gehören außerdem zum Arbeitsbereich der Frauengemeinschaft. Pastor Korte setzte sich mit Freude und Unternehmungsgeist für die Durchführung von Bildungsreisen ein. Er besuchte mit den Frauen Kulturstätten im In- und Ausland. Innerhalb der Frauengemeinschaft etablierte sich ab 1966 eine Gymnastikgruppe, die von Frau Pfeifer geleitet wurde. Von 1964 an stand dem Pfarrer in seiner weiten Diaspora-Gemeinde die Seelsorgehelferin Mechthild Wiese zur Seite. Sie verließ die Gemeinde am 31. März 1966 wieder. Frau Ellen Übbing löste sie ab und verblieb vom 1. April 1966 bis zum 7. Juli 1969 in ihrem Amt. Während all dieser Aktivitäten innerhalb des Gemeindelebens rückte der Tag des 1. Spatenstichs für den Bau der neuen Kirche immer näher: Es war der 17. Juni 1963. Die kirchliche Grundsteinlegung fand am 6. Oktober 1963 statt. Am Sonntag Gaudete 1965 konnte Pastor Korte seine Gemeinde aus der alten in die große neue Kirche führen. Zu diesem Ereignis ließ die evangelische Kirche ihr Geläut erklingen. Pfarrer Korte schrieb: "Kein größeres Schauspiel und ergreifenderes Geschehen hat Freudenberg je gesehen, und die katholische Gemeinde auf keinen Fall erlebt, als die Lichterprozession am Abend des 11. Dezembers 1965. Die Beteiligung war über Erwarten groß. 600 Kerzen stehen zur Verfügung. Alle Stände sind in gleicher Weise vertreten. Die Geistlichen der Umgebung sind anwesend. ... An den Straßen und an den Fenstern stehen gerührt die Mitglieder der evangelischen Brudergemeinde. Ob die Kirche wohl je wieder so gefüllt sein wird wie an diesem Abend? Als das Tedeum erklingt, können viele vor Rührung nicht mehr mitsingen. GAUDETE! Der erste Sonntag in der neuen Kirche! Alle sind froh." Am 30. Juli 1966 konsekrierte Weihbischof Dr. Paul Nordhues das neue Gotteshaus, das als modernster sakraler Rundbau der Erzdiözese Paderborn bezeichnet wurde. Die Beteiligung der Gemeinde an dem Gesamtwerk war erstaunlich hoch. Monatliche Tütchensammlungen und Sonderkollekten brachten den Betrag von 420.800 Mark. Dazu wurden fast alle Gegenstände in der Kirche, einschließlich der Fenster, gestiftet. Nachdem die Glocken aus der alten Kirche montiert und in der neuen abgestellt waren, wurde der Turm des alten Gotteshauses niedergerissen. Der Organist, Herr Egon Spieß, musste noch bis 1967 auf den Einbau einer Orgel in der neuen Kirche warten. Er bediente sich solange eines Harmoniums. Kurz vor Weihnachten 1971 krönte ein Gerichtsengel mit Posaune (3 Meter hoch, 10 Zentner schwer) den neuen 30 Meter hohen Kirchturm. Dieser war als Rundturm, freistehend, neben dem Kirchengebäude errichtet worden. Einige Tage zuvor installierte man die drei vorhandenen Glocken aus der alten Kirche, zu denen noch eine neue hinzu kam. Nach sechsjähriger Unterbrechung konnte somit zu Weihnachten zum ersten Mal wieder das volle Geläut die Menschen zum Gottesdienst rufen. Ein hochverdientes Mitglied der Pfarrgemeinde, Herr Hermann Haak, wurde am 15. Oktober 1972 mit dem kirchlichen Orden "pro ecclesia et pontifice" ausgezeichnet. Die Feierstunde zu diesem Anlass fand noch im alten Vereinshaus statt, wohin der Bezirksdechant Starke zur Ordensverleihung gekommen war. Im gleichen Jahre - 1972 - trat eine Frauengruppe zusammen, die ihre Freizeit und Arbeitskraft dem Aussätzigenhilfswerk zur Verfügung stellte, um die Not der Lepra-Kranken in der Welt lindern zu helfen. Sie stellten durch ihr Stricken, Häkeln und Nähen soviel Material zusammen, dass es in 69 großen Paketen - 1 Zentner - verschickt werden konnte. Außerdem gaben sie, durch Verkauf ihrer Handarbeiten, 18.000 DM anteilig an Pfarrer Hombach für die Dritte Welt und das Lepra-Hilfswerk. - Inzwischen gibt es diese Gruppe nicht mehr. Ein Rest der Arbeit ist aber die Kollekte für das DAHW (www.dahw.de), die jeweils in der kfd-Messe am 1. Dienstag im Monat gehalten wird. 1972 bemühte sich Pastor Korte sehr um die Anstellung einer neuen Seelsorgehelferin. Frau Walburga Marold (+ 04.02.1996) trat darum am 1. März 1972 ihren Dienst in der St.-Marien-Gemeinde Freudenberg an, wo sie im seelsorgerischen Bereich, im Vereinsleben, bei Festgestaltungen, im Pfarrbüro und durch den Einsatz im Religionsunterricht der Schulen hilfreich mitarbeitete. Pfarrer Korte hatte inzwischen mit dem Architekten, Herrn Sonntag aus Siegen, die Planungen zum Bau des neuen Vereinshauses vorangetrieben. Am 11. Juni 1973, am Pfingstmontag, wurde der erste Spatenstich vorgenommen. Zu dieser "Stätte der Begegnung" wurde der Grundstein am 26. August 1973 gelegt. Da nach dem neuen Kirchbau auch bereits ein neues Pfarrhaus, ein Haus für den Küster-Organisten und die Seelsorgehelferin erstellt worden war, so wurde die Fertigstellung des Gemeindezentrums am 21. Juli 1974 der krönende Abschluss für das gesamte Pfarrzentrum. Der finanzielle Aufwand betrug etwa 550.000 Mark. Die Basis für die Finanzierung lieferten der Verkauf des alten Gemeindehauses an die Stadt Freudenberg, Beihilfen der Diözese, des Bonifatiuswerkes nebst Eigenleistungen. 1974 feierte der Kirchenchor (als gemischter Chor) sein 50-jähriges Bestehen. Gastchöre trugen zur Verschönerung des kirchlich und weltlich gefeierten Jubiläums bei. Alle ehemaligen Dirigenten waren geladen, Ehrenurkunden und -nadeln an langjährige verdiente Mitglieder übergeben. Am 27. März 1977 musste der Küster-Organist, Herr Egon Spieß, nach 15-jähriger Tätigkeit die Gemeinde verlassen, weil diese keinen hauptamtlichen Küster-Organisten mehr finanzieren konnte. Sein Nachfolger wurde - auch als Dirigent - Herr Karl Netzer, der nur nebenamtlich als Organist tätig war. Am 1. Januar 1977 wurde die Pfarrei St. Marien Freudenberg aus dem Dekanat Olpe herausgenommen und dem Dekanat Siegen, zu dem sie vormals ca. 60 Jahre hindurch (von 1859 an) schon einmal angehört hatte, wieder einverleibt. Während der Amtszeit des Herrn Pastor Korte in Freudenberg gab es im schulischen Bereich wesentliche Veränderungen. Nach der Pensionierung des Herrn Lehrers Dosch war am 01.04.1957 der Lehrer Hans Schnieber in der Schule Hohenhain eingesetzt worden. Im Jahr 1968 kam es zu so genannten "Schulreform". Aus der Volksschule gingen Grund- und Hauptschule hervor. Freudenbergs Eltern kämpften um den Erhalt wenigstens einer katholischen Grundschule. Nach vielerlei Bemühungen, Eingaben, Abstimmungen, Sitzungen wurde aufgrund der zu geringen Kinderzahl die Aufrechterhaltung einer katholischen Grundschule abgelehnt. Nach 108 Jahren - mit Ausnahme der Unterbrechung im "1000-jährigen Reich" hatte somit die katholische Konfessionsschule aufgehört zu bestehen. Pastor Korte schrieb damals: "Werden wir nun resignieren? Keineswegs! Dem Neuen, das jetzt auf uns zukommt, müssen wir mit Wachheit und Aufgeschlossenheit begegnen. Wir müssen versuchen, aus der neuen Situation das Beste zu machen. Wenn aus dieser großen Umwälzung das Eine herausspringt, dass die Eltern sich mit größerer Sorgfalt als allgemein bisher den Fragen der Schule und Erziehung widmen, dass sie die ihnen verbliebenen Möglichkeiten der Einflussnahme und Mitgestaltung nach besten Kräften annehmen, dann kann auch aus dieser traurigen Stunde Segen werden." "Kommende Jahre werden einst beweisen, welcher Substanzverlust mit der Auflösung vieler konfessioneller Schulen verbunden war." Von 1968 an musste nun auch die Kirchengemeinde die Gestaltung des St.-Martins-Zuges übernehmen, die vorher Aufgabe der kath. Schule gewesen war. In den Jahren 1966 - 1968 waren an der kath. Volksschule noch Frl. Barbara Tampler und Frau Hilde Hochhard tätig. Nach der Schulreform wurde Herr Ferdinand Ratte Rektor der Grundschule. Das alte Schulhaus an der Oststraße wurde verkauft, nachdem es nach dem Auszug der Schüler im Jahr 1956 zu Wohnungen für den Küster-Organisten sowie die Pfarrhelferin umgestaltet worden war. 1978 beschloss der Pfarrgemeinderat, künftig den Festgottesdienst am Fronleichnamstag auf dem Schlossbergplatz zu feiern. Die Pfarrgemeindemitglieder nahmen dieses Angebot zahlreich und freudig an; die erste Eucharistiefeier unter freiem Himmel wurde zu einem Erlebnis für alle Gläubigen. Der ökumenische Geist einer Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen war in den vergangenen Jahren stets verbessert worden. So kann zum Beispiel seit der Fertigstellung des neuen evangelischen Krankenhauses "Bethesda" (am 07. Oktober 1967) 14-tägig eine heilige Messe für Kranke und Besucher in diesem Hause gefeiert werden. Am 3. September 1980 starb Pastor Korte. Anlässlich seiner Beisetzung auf dem Friedhof in Freudenberg sagte der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Dr. Wolfgang Hein: "Viele von uns wissen, dass unser Pfarrer bis zu seinem Krankenlager und noch in den ersten Wochen desselben voller Ideen und Pläne war. Es ist ihm nicht vergönnt gewesen, sie auszuführen." Zu seinem Nachfolger bestellte unser Erzbischof Herrn Pastor Gerhard Ullrich, Pfarrvikar in Bad Oeynhausen-Eidinghausen. Am 18. Januar 1981 führte Herr Dechant Suermann ihn in einem Festgottesdienst in sein Amt als Pfarrer der St.-Marien-Gemeinde Freudenberg ein.   Pastor Gerhard Ullrich (1981 - 1993)
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